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Asthma bei Erwachsenen: Moderne Therapie, genaue Diagnose und was das für Sie in der Schweiz bedeutet

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Ihr Asthma trotz Medikamenten nicht so richtig in den Griff zu bekommen ist? Oder ob Sie überhaupt wirklich Asthma haben? Vielleicht kennen Sie das: Sie husten immer wieder, fühlen sich kurzatmig – und der Hausarzt stellt die Diagnose „Asthma“. Doch was viele nicht wissen: Gerade bei Erwachsenen ist die Diagnose gar nicht so einfach. Und: Die Möglichkeiten der modernen Asthmatherapie sind heute viel breiter und individueller als noch vor wenigen Jahren. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie neue wissenschaftliche Erkenntnisse und die aktuelle Asthmaleitlinie auch Ihren Alltag als Patient in der Schweiz beeinflussen können. Wir nehmen Sie mit durch die wichtigsten Studien, erklären die Therapie-Stufen und zeigen, was das konkret für Ihre Behandlung, Kosten und Lebensqualität bedeutet.

Genau hinschauen: Warum die richtige Asthma-Diagnose so entscheidend ist

Stellen Sie sich vor, Sie sind 48 Jahre alt, haben seit Monaten immer wieder Atemnot und Ihr Hausarzt verschreibt Ihnen ein Asthma-Spray. Klingt nach einer klaren Sache – oder? Doch so eindeutig ist es nicht immer. Professor Roland Buhl, ein führender Pneumologe, hat auf einem Kongress in Köln betont, wie wichtig eine frühzeitige und korrekte Diagnose ist. Gerade im nicht-fachärztlichen Bereich, also bei Hausärzten, gibt es laut Buhl noch immer Probleme – zum Beispiel eine Überdiagnose von Asthma.

Eine Studie hat gezeigt: Bei etwa jedem dritten Patienten mit der ärztlichen Diagnose „Asthma“ konnte die Erkrankung bei genauer Überprüfung gar nicht bestätigt werden. Wie wurde das getestet? Mit Lungenfunktionstests, unspezifischer Provokation und schrittweiser Reduktion der Asthma-Medikamente. Das bedeutet: Nicht jeder, der ein Asthma-Spray bekommt, hat tatsächlich Asthma. Das ist nicht nur ein medizinisches Problem, sondern betrifft auch die Kosten – denn unnötige Medikamente belasten Sie und das Gesundheitssystem.

Wie wird Asthma sicher diagnostiziert?

Für eine verlässliche Diagnose braucht es laut Buhl zwei zentrale Tests:

  • Spirometrie: Eine Lungenfunktionsmessung, bei der Sie vor und nach der Inhalation eines Bronchodilatators in ein Gerät atmen. So sieht man, wie gut Ihre Atemwege auf das Medikament reagieren.
  • Methacholinprovokation: Hier wird geprüft, wie empfindlich Ihre Atemwege sind. Auch unter einer bestehenden entzündungshemmenden Therapie ist dieser Test möglich.

Mit diesen beiden Methoden kann bei 90% der Patienten mit Verdacht auf Asthma die Diagnose gesichert oder ausgeschlossen werden. Zusätzlich empfiehlt Buhl eine Allergiediagnostik und – vor allem bei schwerem Asthma – die Messung der Eosinophilen im Blut. Das sind spezielle weisse Blutkörperchen, die bei bestimmten Asthmaformen erhöht sind.

Allergisches oder eosinophiles Asthma? Die Unterschiede

Vielleicht haben Sie schon gehört, dass es verschiedene Asthma-Typen gibt. Die wichtigsten sind das allergische Asthma und das eosinophile Asthma. Doch woran erkennt man, zu welcher Gruppe man gehört?

  • Allergisches Asthma: Beginnt oft schon in jungen Jahren. Typisch sind Begleiterkrankungen wie Heuschnupfen (Rhinokonjunktivitis), eine klare Verbindung zu bestimmten Auslösern (z.B. Pollen, Hausstaub) und erhöhte IgE-Werte im Blut.
  • Eosinophiles Asthma: Beginnt meist später im Leben, die Symptome sind häufiger und schwerer, oft ohne erkennbare Allergie. Viele Betroffene haben Nasenpolypen und ein eingeschränktes Geruchs- und Geschmacksempfinden.

Interessant ist auch: Allergisches Asthma nimmt seit Jahrzehnten zu. In Schweden ist die Asthma-Häufigkeit bei Erwachsenen von gut 8% (1996) auf über 10% (2016) gestiegen – vor allem wegen mehr allergischem Asthma. Der Anteil des nicht-allergischen Asthmas blieb dagegen konstant bei knapp 4%.

Asthma-Therapie: Der Stufenplan – und was er für Sie bedeutet

Haben Sie schon einmal von einem „Stufenplan“ bei Asthma gehört? Die neue deutsche Asthmaleitlinie, die Ende letzten Jahres veröffentlicht wurde, orientiert sich an den internationalen Empfehlungen der GINA (Global Initiative for Asthma). Auch in der Schweiz arbeiten Pneumologen und Hausärzte nach diesen Prinzipien.

Die Therapie wird in fünf Stufen eingeteilt, je nachdem, wie schwer Ihr Asthma ist und wie gut es sich kontrollieren lässt:

  • Stufe 1 und 2 (leichtgradiges Asthma): Sie haben tagsüber maximal zwei Symptome pro Woche und nachts keine Beschwerden.
  • Stufe 3 und 4 (mittelgradiges Asthma): Die Symptome treten häufiger auf, die Kontrolle ist eingeschränkt.
  • Stufe 5 (schwergradiges Asthma): Trotz intensiver Therapie bleibt das Asthma unkontrolliert.

Die Behandlung wird individuell angepasst – je nachdem, wie Sie auf die Therapie ansprechen. Das Ziel: Möglichst wenige Symptome, keine nächtlichen Beschwerden und keine Einschränkung im Alltag.

Therapie im Detail: Was sagt die Wissenschaft?

Schon bei mildem Asthma und seltenen Beschwerden empfehlen Experten heute, eine Dauertherapie mit inhalativen Kortikosteroiden (ICS) in niedriger Dosis zu erwägen (Stufe 1). Aber: Der Nutzen ist laut Studien nur moderat. Um ein schwerwiegendes Ereignis zu verhindern, müssten zehn Patienten zehn Jahre lang mit 200–400 Mikrogramm Budesonid täglich behandelt werden. Die Sterblichkeit wird dadurch nicht gesenkt. Für viele Patienten wäre das also eine Übertherapie.

Standard ist die niedrig dosierte ICS-Therapie bei Patienten, die häufiger als zweimal pro Woche ein Notfall-Spray (kurzwirksames Beta-2-Mimetikum, SABA) brauchen oder nachts Beschwerden haben (Stufe 2). Als Alternative gibt es Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten wie Montelukast.

Reicht das nicht aus, kommt eine Kombinationstherapie aus ICS und langwirksamen Beta-2-Mimetika (LABA) zum Einsatz – zunächst in niedriger, dann in mittlerer bis hoher Dosis (Stufen 3 und 4). Bei schwerem Asthma (Stufe 5) werden weitere Medikamente ergänzt, etwa das Anticholinergikum Tiotropium oder moderne Antikörpertherapien.

Antikörpertherapie: Hoffnung für schwere Fälle

Vielleicht fragen Sie sich: Was passiert, wenn all diese Medikamente nicht helfen? Für Patienten mit schwerem allergischem Asthma gibt es Omalizumab (ein Anti-IgE-Antikörper). Studien zeigen: Die Wirkung hält in der Langzeittherapie an. Wird Omalizumab abgesetzt, verschlechtern sich die Beschwerden bei mindestens der Hälfte der Patienten wieder deutlich. Anaphylaktische Reaktionen sind selten (0,2%), meist innerhalb von zwei Stunden nach den ersten drei Injektionen. Deshalb werden Patienten bei den ersten Behandlungen in der Praxis überwacht.

Für eosinophiles Asthma stehen Anti-Interleukin-5-Antikörper zur Verfügung (Mepolizumab, Reslizumab, Benralizumab). Voraussetzung: Eine Eosinophilenzahl von mindestens 300/µl Blut bei zwei Messungen. Je höher die Eosinophilen, desto besser sprechen Patienten an. Die Anwendung unterscheidet sich etwas: Mepolizumab und Reslizumab werden alle vier Wochen, Benralizumab alle acht Wochen verabreicht.

Die Forschung geht weiter: Neue Antikörper (z.B. gegen IL-13 oder TSLP) werden bereits in Studien getestet. Für Patienten, bei denen gar nichts hilft, gibt es noch Off-Label-Optionen wie Antimykotika, Makrolide, Methotrexat oder bronchiale Thermoplastie.

Asthma-Therapie in der Schweiz: Was bedeutet das konkret?

Vielleicht fragen Sie sich jetzt: Wie sieht das in der Schweiz aus? Die gute Nachricht: Die meisten der genannten Medikamente und Therapien sind auch hierzulande verfügbar – und werden von der Grundversicherung übernommen, sofern sie ärztlich verordnet sind und die Indikation stimmt. Gerade bei den teuren Antikörpertherapien prüft die Krankenkasse allerdings die Voraussetzungen genau. Ihr behandelnder Pneumologe oder Ihre Lungenfachärztin wird Sie dazu beraten und gegebenenfalls einen Antrag stellen.

Die Kosten für Standardmedikamente wie ICS oder Beta-2-Mimetika liegen meist im Bereich von 20 bis 50 Franken pro Monat. Moderne Antikörpertherapien können mehrere Tausend Franken pro Jahr kosten – hier greift aber die Versicherung, sofern die Kriterien erfüllt sind. Für Sie als Patient bedeutet das: Sie zahlen in der Regel nur den Selbstbehalt und die Franchise.

In Schweizer Kliniken und bei niedergelassenen Pneumologen ist die Stufentherapie Standard. Die meisten Hausärzte arbeiten eng mit Fachärzten zusammen, vor allem wenn die Diagnose unklar ist oder die Therapie nicht anschlägt. Spirometrie und Allergietests werden in vielen Praxen angeboten, für spezielle Untersuchungen (z.B. Methacholinprovokation) werden Sie meist an ein Lungenzentrum überwiesen.

Alltag mit Asthma: Was Sie selbst tun können

Vielleicht fragen Sie sich: Was kann ich neben der medikamentösen Therapie noch tun, um mein Asthma möglichst gut zu kontrollieren? Hier ein paar praktische Tipps, die sich im Schweizer Alltag bewährt haben:

  • Regelmässige Kontrolle: Lassen Sie Ihre Lungenfunktion mindestens einmal pro Jahr überprüfen – bei instabilem Asthma häufiger.
  • Inhalationstechnik: Viele Patienten wenden ihre Sprays nicht korrekt an. Lassen Sie sich die richtige Technik in der Apotheke oder beim Arzt zeigen.
  • Allergene meiden: Falls Sie allergisches Asthma haben, versuchen Sie die Auslöser (z.B. Pollen, Hausstaub) so gut wie möglich zu vermeiden. In der Schweiz gibt es spezielle Beratungsstellen und Pollenwarndienste.
  • Sport und Bewegung: Körperliche Aktivität ist erlaubt und sogar empfehlenswert – achten Sie aber auf eine gute Asthmakontrolle und nehmen Sie Ihr Notfall-Spray mit.

Was viele nicht wissen: In der Schweiz übernehmen die Krankenkassen in der Regel auch Asthma-Schulungen und Patientenkurse, die von Lungenligen oder Spitälern angeboten werden. Dort lernen Sie, wie Sie mit Ihrer Erkrankung im Alltag besser zurechtkommen.

Häufige Fragen von Patienten – und die Antworten

1. Muss ich mein Asthma-Medikament ein Leben lang nehmen?
Nicht unbedingt. Die Therapie wird immer wieder angepasst – je nachdem, wie gut Ihr Asthma kontrolliert ist. Ziel ist, mit möglichst wenig Medikamenten auszukommen. Eine dauerhafte Therapie ist meist nur bei schwerem Asthma nötig.

2. Können Asthma-Medikamente Nebenwirkungen haben?
Ja, vor allem bei falscher Anwendung oder zu hoher Dosierung. Inhalative Kortikosteroide können z.B. zu Heiserkeit oder Pilzinfektionen im Mund führen. Antikörpertherapien sind meist gut verträglich, schwere Nebenwirkungen wie Anaphylaxie sind sehr selten (0,2%).

3. Was passiert, wenn ich mein Medikament absetze?
Das sollten Sie nur in Absprache mit Ihrem Arzt tun. Bei manchen Patienten – vor allem bei schwerem allergischem Asthma – verschlechtern sich die Symptome nach Absetzen von Omalizumab deutlich.

4. Gibt es Alternativen zu Kortison?
Für leichte Fälle gibt es Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten (z.B. Montelukast). Bei schwerem Asthma können moderne Antikörpertherapien Kortison teilweise ersetzen.

5. Werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen?
Ja, sofern die Therapie medizinisch notwendig ist und die Kriterien erfüllt sind. Bei teuren Therapien wie Antikörpern prüft die Kasse die Voraussetzungen genau.

Fazit: Gute Symptomkontrolle ist für fast alle Asthma-Patienten erreichbar

Zusammengefasst: Die moderne Asthmatherapie bietet heute eine Vielzahl an Möglichkeiten, um bei fast allen Patienten eine gute Kontrolle der Symptome zu erreichen. Voraussetzung ist eine korrekte Diagnose – am besten mit Lungenfunktionstest und Allergiediagnostik. Die Therapie wird individuell angepasst, von einfachen Sprays bis hin zu modernen Antikörpern. In der Schweiz sind alle wichtigen Medikamente und Tests verfügbar, die Kosten werden in der Regel übernommen. Und: Mit der richtigen Behandlung und etwas Eigeninitiative können Sie Ihr Asthma im Alltag meist gut in den Griff bekommen.

Stellen Sie sich vor, Sie können wieder ohne Angst vor Atemnot wandern, mit Ihren Kindern spielen oder Sport treiben. Das ist heute für die meisten Asthma-Patienten möglich – dank moderner Medizin und einer guten Zusammenarbeit zwischen Ihnen, Ihrem Hausarzt und dem Lungenfacharzt.

Quellen: Buhl R, et al.: Pneumologie 71(12): 849-919. Asamoah F, et al.: Clin Transl Allergy 2017; 7: 25. Dhami S, et al.: Allergy 2017; 72(12): 1825–1848. HAUSARZT PRAXIS 2018; 13(3): 46–47